Feldmusik Seewen
Seit über 100 Jahren musikalisch durch Dick und Dünn

Gewagt, aber durchaus gelungen

Chor und Blasmusik im Konzert zu vereinen, gelingt nicht immer. Kirchenchor und Feldmusik Seewen brachten das fertig.
Von Silvio Kohler, Neue Schwyzer Zeitung, 15. April 2008

Die gut besuchte Pfarrkirche Seewen bot am Sonntag den würdigen Rahmen für ein festliches Konzert, welches die Feldmusik mit dem von Franco Cesarini komponierten Stück «A joyful Fanfare» klangvoll lancierte. Schon im zweiten Werk des Abends, «Spanish Trumpet», bewies Trompeter Philip Kaufmann seine Solistenqualitäten. Der Komponist Rita Defoort, welcher eigentlich André Waignein heisst, aber ein Faible für ausgefallene Pseudonyme hat, orientierte sich hier etwas an Ennio Moricone. Zumindest unheilvolle, ruhige erste Teil erinnerte etwas an den berühmten Westernfilm-Komponisten. Gefordert war danach die Rhythmusabteilung, denn «Sid Adir Babbai», erdacht vom Italiener Lorenzo Pusceddu, enthält viele Taktwechsel, spielt mit ungeraden Taktarten und fordert somit das Schlagwerk besonders. Das majestätisch startende und furios endende Stück kam sehr gut beim Publikum an. Michael Korb, ein nach Schottland ausgewanderter deutscher Komponist, liess sich von seiner Wahlheimat zu «Highland Cathedral» inspirieren. Es enthält viel Dynamik, verziert mit eingängigen, natürlich an die schottische Folklore angelehnte Melodien.

Zeit für ein Experiment
Danach war man gespannt, ob das Experiment des Abends gelingen würde. Chöre und Blasmusiken gemeinsam in ausgewogenem Verhältnis erklingen zu lassen, ist eine Herausforderung. Oft übertönen die kräftigen Instrumente den Chor nämlich, daher ist Fingerspitzengefühl seitens der Bläser gefragt. Alex Maissen und Peter Fröhlich, die Dirigenten der beiden Seebner Vereine, ist es gelungen, ihre Schützlinge darauf vorzubereiten. «Nervals Poems», eine Gedichtsammlung, arrangiert von Jacob de Haan, liess etwaige Zweifel schnell verfliegen, waren doch beide Komponenten klar zu hören.

Der Chor sang darauf ohne Begleitung die Lieder «All things bright and beautiful» (John Rutter) und «Tebe Poem», ein Sakrallied des russischen Komponisten Dimitri Bortniansky. Wohl klingend fügten sie sich ins Konzertprogramm ein. Zum Schluss taten sich Chor und Musik nochmals zusammen, um mit «Ave Maria Paien» (arr. Scott Richards) das Krönchen auf ein gelungenes Experiment zu setzen und das Publikum mit Wonne in den sonnigen Sonntagabend zu entlassen.

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