Feldmusik Seewen
Seit über 100 Jahren musikalisch durch Dick und Dünn

«Eis ad Ohrä!»

Blasmusik ist schön. Belebt Körper und Geist. Bei Jung und Alt. Doch hat die Blasmusik auch Schattenseiten?
Der Autor ist Mitglied bei der Feldmusik Seewen, der Text gilt unabhängig vom Verein.

Servus Tinnitus!

Sonntag Abend, Guggemusigprobe. Einfach herrlich wie das soundet, chlepft und tätscht. Ach, wäre doch nur schon bald wieder Fasnacht. Am anderen Tag wundere ich mich über das Surren im Kopf. Kein Grund zur Sorge, der Kollege Flügelmann rechts war gestern mal wieder ausser Rand und Band.

Montag, mühsamer Tag bei der Arbeit, alles läuft schief, nichts klappt wie es sollte, ich bin auf 180. Auf dem Weg nach Hause eine CD laufen lassen - volle Pulle - das beste Mittel zum Abreagieren. Zuhause angekommen dann ein Druck auf den Ohren. Mag wohl am Höhenunterschied liegen. Zwischen Zug und Schwyz liegen einige Meter. Drei Mal leer schlucken - kein Grund zur Besorgnis.

Dienstag Abend, Probe mit dem Stammverein. Das Konzertprogramm läuft immer besser, schon bald ist es aufführungsreif. Die Fortefortissimo-Stellen waren wieder einmal ein ganz besonderes Erlebnis. Am Treffpunkt nach der Probe bei der wohlverdienten Stange frage ich mich noch, woher bloss das Klingeln kommt. Keine Hotelgäste stehen an der Hotel-Rezeption und schlagen ungeduldig auf die Glocke. Es werden vermutlich Nachwehen der vergangenen zwei Stunden sein, das Gschpändli am Xylophon war schliesslich wieder einmal richtig im Element. Keine Bange, das vergeht wieder.

Mittwoch, die Jungs wollen einen trinken gehen. Da bin ich natürlich mit dabei. Am anderen Morgen Aufstehen mit Brummschädel. War's mal wieder ein Bierchen zuviel? Die Musik war aber auch laut, der Wirt wollte garantiert mit seiner neuen Anlage protzen. Und überhaupt, bei wummernden Bässen fühlt sich ein Tiefblechler schliesslich erst richtig wohl! Nicht weiter schlimm also, so etwas kommt ja nicht alle Tage vor.

Donnerstag, Aushilfsprobe mit der Brass Band. Welch' ein Klang. Mein Herz hüpft, der Rücken wird mit einem kalten Schauer gesegnet. Doch woher kommt plötzlich das Pfeifen? Sitzt der Es-Cornetist etwa plötzlich neben mir und übt nochmals seinen Solopart? Oder der Schlagzeuger, feilt er noch an seiner Lieblingsstelle in dem humoristischen Stück, wo er eine Plastiktröte einsetzen kann? Komisch, nein, alle Instrumente sind bereits geputzt und eingepackt. Jä nu, es wird wohl an der ganz besonderen Akustik des Raumes liegen. Darüber zerbereche ich mir nun sicher nicht mehr den Kopf.

Freitag, etwas stimmt halt doch nicht. Ein Besuch und Untersuch bei der Ohrenärztin kann da sicher nicht schaden. Diagnose: Tinnitus. Tinni-was? Ah, Tritonus, kenne ich, das hat doch etwas mit einer übermässigen Quarte zu tun. Ich war nie gut in Gehörbildung. Was pfeift denn nun in meinem Ohr? Ein C4? Und auf der anderen Seite eine verminderte Terz?

Der Tinnitus (lat. «das Klingeln der Ohren») ist eine akustische Wahrnehmung des Menschen, die zusätzlich zum Schall, der auf das Ohr wirkt, wahrgenommen wird. Die Art der scheinbar wahrgenommenen Geräusche ist sehr vielfältig. Man fasst unter anderem folgende akustischen Eindrücke unter dem Begriff Tinnitus zusammen: Ein oder mehrere Brumm- oder Pfeiftöne, Zischen, Rauschen, Donnern, Zwitschern, Stimmengewirr, ...

Es sind viele Ursachen bekannt, die Tinnitus auslösen können. Dazu gehören unter anderem vermutlich: Mittelohrerkrankungen mit Störung der Schallübertragung, Knalltraumata, Sauerstoffmangelversorgung des Innenohrs, Virusinfektionen, starker Lärm etc.

Musikerinnen und Musiker in Blasmusikformationen aller Art setzen ihr Gehör oft mehrmals wöchentlich - meist unbewusst - hohen Belastungen aus. Wie oben beschrieben, werden die Symptome zwar oftmals wahr- aber nicht ernstgenommen; bis es plötzlich zu spät ist.

Agieren ist besser als Reagieren. Auf dem Markt sind mittlerweile Gehörschutzmassnahmen erhältlich, die gesundheitsschädigende Frequenzen filtern, ohne dabei das Blasmusik-Feeling zu beeinträchtigen.

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